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Hybride Führung: Wie Menschen, KI und Maschinen gut zusammenarbeiten

Autorenbild: INNSEL
INNSEL
vor 2 Tagen
7 Min. Lesezeit
„Hybride Führung bei INNSEL: zwei Berater*innen im Austausch vor dem Ravensburger Mehlsack mit Symbolen für KI und Zusammenarbeit.“

Wer führt hier eigentlich wen?

Die Arbeitswelt wird nicht einfach digitaler. Sie verändert sich grundlegend in der Frage, wer oder was eigentlich an Arbeit beteiligt ist.

Menschen arbeiten im Büro, zuhause oder unterwegs. Teams treffen sich vor Ort und digital. Künstliche Intelligenz formuliert Texte, analysiert Daten, strukturiert Wissen oder unterstützt bei Entscheidungen. In Produktion und Logistik arbeiten Menschen teilweise unmittelbar mit Robotern zusammen.

Damit verändert sich auch Führung.

Die entscheidende Frage lautet deshalb längst nicht mehr nur:

Wie führe ich Mitarbeitende?

Sondern zunehmend:

Wie gestalten wir Zusammenarbeit, wenn Menschen, KI und technische Systeme gemeinsam an Ergebnissen arbeiten?

Was zunächst nach Zukunft klingt, ist in vielen Organisationen bereits Alltag.


Was bedeutet hybride Führung heute?

Beim Begriff hybride Arbeit denken viele zunächst an Homeoffice, Videokonferenzen und die Kombination aus Präsenz und mobilem Arbeiten.

Das gehört dazu. Es greift inzwischen aber zu kurz.

Organisationen erleben heute unterschiedliche Formen von Hybridität gleichzeitig:

Menschen arbeiten an verschiedenen Orten. Kommunikation findet persönlich, per Videokonferenz, Chat und über digitale Plattformen statt. KI Systeme werden Teil von Arbeitsprozessen. In manchen Branchen kommen Robotik und automatisierte Systeme hinzu.

Hybride Führung bedeutet deshalb zunehmend, unterschiedliche Arbeitsorte, Kommunikationsformen, Kompetenzen und technische Systeme miteinander zu verbinden.

Genau darin liegt eine der zentralen Führungsaufgaben.

Denn digitale Werkzeuge lösen nicht automatisch Kommunikationsprobleme. Eine neue Plattform erzeugt noch keine Zusammenarbeit. Und der Einsatz von KI macht aus einem schlechten Prozess keinen guten.

Technologie kann Zusammenarbeit unterstützen.

Gestalten müssen wir sie trotzdem selbst.


Hybride Teams brauchen weniger Anwesenheitskontrolle und mehr Klarheit

Wenn Führungskräfte ihre Mitarbeitenden nicht jeden Tag sehen, funktionieren einige vertraute Formen von Steuerung nicht mehr.

Wer arbeitet gerade woran?

Wer braucht Unterstützung?

Wo entstehen Probleme?

Wie ausgelastet ist das Team?

Die naheliegende Reaktion kann sein, Kontrolle zu erhöhen.

Für hybride Zusammenarbeit ist häufig etwas anderes wichtiger: Klarheit.

Klarheit darüber, welche Ziele verfolgt werden, wer welche Verantwortung trägt, welche Entscheidungen selbstständig getroffen werden können und wann Abstimmung notwendig ist.

Auch Kommunikationswege sollten geklärt sein.

Was gehört in eine Mail?

Was in den Chat?

Wann braucht es ein Gespräch?

Was muss für alle dokumentiert werden?

Und woran erkennen wir eigentlich, ob Arbeit gut erledigt wurde?

Damit verändert sich Führung von der Beobachtung von Anwesenheit stärker hin zur Gestaltung guter Rahmenbedingungen.

Vertrauen spielt dabei eine zentrale Rolle. Vertrauen bedeutet allerdings nicht, Führung zurückzunehmen.

Gute hybride Führung verbindet Vertrauen mit Orientierung und Verantwortung.


Nähe entsteht nicht automatisch durch Präsenz

Ein weiterer Irrtum besteht darin, räumliche Nähe mit sozialer Nähe gleichzusetzen.

Menschen können jeden Tag im selben Gebäude arbeiten und trotzdem wenig miteinander verbunden sein. Gleichzeitig können Teams über verschiedene Standorte hinweg sehr tragfähige Beziehungen entwickeln.

Entscheidend ist deshalb nicht allein die Zahl gemeinsamer Bürotage.

Entscheidend ist die Qualität der Zusammenarbeit.

Wer wird informiert?

Wer wird gehört?

Wer bekommt interessante Aufgaben?

Wer hat Zugang zu informellen Informationen?

Wer wird bei Entscheidungen einbezogen?

Gerade in hybriden Teams kann ein sogenannter Proximity Bias entstehen. Mitarbeitende, die häufiger physisch anwesend sind, werden stärker wahrgenommen und dadurch möglicherweise häufiger beteiligt oder berücksichtigt.

Führung muss solche Mechanismen bewusst im Blick behalten.

Es geht nicht darum, Präsenz und digitale Zusammenarbeit gegeneinander auszuspielen.

Es geht darum, beides so zu gestalten, dass Beteiligung, Entwicklungsmöglichkeiten und Einfluss nicht vom Arbeitsort abhängen.


KI verändert Führung und Zusammenarbeit

Mit generativer künstlicher Intelligenz verändert sich hybride Zusammenarbeit noch einmal deutlich.

ChatGPT, Microsoft Copilot und andere KI Systeme sind keine klassischen Teammitglieder. Sie besitzen weder Verantwortung noch eigene Interessen oder professionelle Haltung im menschlichen Sinne.

Trotzdem greifen sie zunehmend in Arbeitsprozesse ein.

KI kann Informationen strukturieren, Texte vorbereiten, Daten analysieren, Varianten entwickeln, Wissen zusammenführen oder Routineaufgaben beschleunigen.

Damit entsteht etwas, das häufig als hybride Intelligenz bezeichnet wird: menschliche und künstliche Intelligenz werden miteinander verbunden.

Die entscheidende Frage lautet dabei aus unserer Sicht nicht:

Was kann KI besser als der Mensch?

Interessanter ist:

Welche Kombination aus Mensch und KI führt zu besseren Ergebnissen?

Menschen bringen Erfahrung, Kontextwissen, Kreativität, Beziehungskompetenz, Werteorientierung, Urteilsvermögen und Verantwortung ein.

KI kann große Informationsmengen schnell verarbeiten, Muster erkennen, Varianten erzeugen und bestimmte Routinetätigkeiten übernehmen.

Richtig eingesetzt kann daraus eine neue Arbeitsteilung entstehen.


Hybride Intelligenz braucht klare Verantwortung

Spätestens hier zeigt sich, warum KI kein reines IT Thema ist.

Stellen wir uns vor, eine Führungskraft lässt Bewerbungsunterlagen durch eine KI zusammenfassen oder Kandidat*innen miteinander vergleichen.

Technisch ist das schnell umgesetzt.

Organisatorisch entstehen sofort weitere Fragen.

Welche Daten dürfen verarbeitet werden?

Nach welchen Kriterien arbeitet das System?

Welche Verzerrungen können entstehen?

Wer überprüft das Ergebnis?

Wie transparent ist die Empfehlung?

Und vor allem:

Wer trifft die Entscheidung und trägt die Verantwortung dafür?

Solche Fragen lassen sich nicht mit einem besseren Prompt beantworten.

Sie betreffen Führung, Organisationskultur, Datenschutz, Verantwortung und professionelle Standards.

Organisationen benötigen deshalb nicht nur KI Kompetenz.

Sie benötigen Klarheit darüber, wo KI unterstützen darf, wo Kontrolle erforderlich ist und wo Entscheidungen bewusst beim Menschen bleiben müssen.


Was wir von Cobots über Mensch KI Zusammenarbeit lernen können

Besonders sichtbar wird die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technik bei sogenannten Cobots.

Cobots sind kollaborative Roboter, die dafür entwickelt wurden, gemeinsam mit Menschen zu arbeiten.

Dabei können unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit entstehen.

Manchmal erledigen Mensch und Maschine getrennte Aufgaben innerhalb eines gemeinsamen Prozesses. Manchmal arbeiten sie unmittelbar an derselben Aufgabe. In anderen Situationen teilen sie lediglich denselben Raum.

Diese Unterscheidung lässt sich auch auf KI übertragen.

Organisationen sollten sich deshalb fragen:

Welche Rolle übernimmt das System eigentlich?

Ist KI lediglich ein Werkzeug?

Übernimmt sie eine klar definierte Teilaufgabe?

Arbeiten Mensch und KI miteinander an einem Ergebnis?

Oder beeinflusst das System bereits Entscheidungen, Bewertungen und Prioritäten?

Je klarer diese Rolle definiert ist, desto besser lassen sich Verantwortlichkeiten gestalten.


Menschengerechte KI beginnt nicht bei der Technik

Technologische Möglichkeiten entwickeln sich schnell.

Gute Arbeit entwickelt sich nicht automatisch mit.

Deshalb lohnt sich bei jeder neuen Technologie eine zweite Perspektive.

Nicht nur:

Was können wir damit machen?

Sondern auch:

Wie wollen wir damit arbeiten?

Dazu gehören selbstverständlich Datenschutz, Informationssicherheit und Transparenz.

Mindestens genauso wichtig sind Fragen der Arbeitsgestaltung.

Entlastet die Technologie tatsächlich?

Bleiben Handlungsspielräume erhalten?

Können Mitarbeitende Entscheidungen nachvollziehen?

Werden Kompetenzen aufgebaut oder langfristig abgebaut?

Fördert das System Lernen?

Verbessert es Zusammenarbeit?

Oder erzeugt es zusätzlichen Druck?

Technologie sollte Menschen nicht lediglich effizienter machen.

Gute Arbeitsgestaltung nutzt Technologie dort, wo sie Menschen unterstützt, entlastet und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet.


Müssen Führungskräfte jetzt KI Expert*innen werden?

Nein.

Die Vorstellung, Führungskräfte müssten künftig jede technische Entwicklung im Detail verstehen, ist weder realistisch noch besonders hilfreich.

Sie müssen keine KI Systeme programmieren und keine Robotik studieren.

Sie sollten aber in der Lage sein, die richtigen Fragen zu stellen.

Was verändert diese Technologie tatsächlich an unserer Arbeit?

Welche Aufgaben wollen wir automatisieren und welche bewusst nicht?

Wo brauchen Mitarbeitende neue Kompetenzen?

Wie verändern sich Rollen und Verantwortlichkeiten?

Welche Risiken entstehen?

Welche Regeln brauchen wir?

Und woran erkennen wir eigentlich, dass die Veränderung erfolgreich ist?

Damit wird deutlich:

Führung in der digitalen Transformation ist vor allem eine Gestaltungsaufgabe.


Was das CARE Modell für hybride Führung beitragen kann

Ein hilfreicher Orientierungsrahmen ist das CARE Modell von Gall und Wittenberg.

Es beschreibt vier Kompetenzbereiche, die gerade in hybriden Arbeitswelten relevant sind.

Communication fragt danach, wie gemeinsames Verständnis und verlässliche Kommunikation entstehen.

Awareness richtet den Blick darauf, wie Führungskräfte Veränderungen, eigene Muster und die Situation ihrer Mitarbeitenden wahrnehmen und reflektieren.

Relationship beschäftigt sich mit der Frage, wie Beziehungen tragfähig bleiben, wenn Zusammenarbeit räumlich verteilt und digital vermittelt stattfindet.

Empowerment bedeutet, Bedingungen zu schaffen, unter denen Menschen Verantwortung übernehmen, Kompetenzen entwickeln und neue Technologien selbstbewusst nutzen können.

Bemerkenswert daran ist:

Keine dieser Kompetenzen ist in erster Linie technisch.

Je digitaler Arbeit wird, desto wichtiger werden Fähigkeiten, die manchmal vorschnell als Soft Skills bezeichnet werden.

Kommunikation, Beziehungsgestaltung, Reflexionsfähigkeit und die Fähigkeit, Menschen zu befähigen, sind keine weichen Zusatzkompetenzen.

Sie gehören zum Kern guter Führung.


Was Organisationen jetzt konkret tun können

Nicht jede Organisation braucht sofort eine umfangreiche KI Strategie.

Aber nahezu jede Organisation sollte beginnen, genauer hinzusehen.

Wo wird KI bereits eingesetzt, möglicherweise informell?

Welche Aufgaben könnten sinnvoll unterstützt werden?

Welche Unsicherheiten bestehen bei Mitarbeitenden und Führungskräften?

Welche Regeln sind notwendig?

Wo fehlen Kompetenzen?

Welche Entscheidungen sollen bewusst beim Menschen bleiben?

Und welche Prozesse sollten vielleicht zunächst verbessert werden, bevor sie digitalisiert oder automatisiert werden?

Gerade der letzte Punkt ist wichtig.

Ein schlechter Prozess wird durch KI nicht automatisch zu einem guten Prozess. Manchmal wird er einfach nur schneller schlecht.

Deshalb lohnt sich zuerst der Blick auf Menschen, Aufgaben und Organisation.

Und erst danach auf das Tool.


Wie wir bei INNSEL auf hybride Führung und KI schauen

Bei INNSEL beschäftigen wir uns mit KI und Digitalisierung nicht ausschließlich aus technischer Perspektive.

Uns interessiert die Schnittstelle zwischen Menschen, Führung, Organisation und Technologie.

Wie verändert KI professionelle Rollen?

Wie können Führungskräfte Orientierung geben, ohne jede technische Entwicklung selbst beherrschen zu müssen?

Wie entwickeln Teams sinnvolle Regeln für den Einsatz von KI?

Wie bleiben Verantwortung, Beteiligung und menschliche Entscheidung sichtbar?

Und wie können Organisationen neue Technologien ausprobieren, ohne jedem Trend hinterherzulaufen?

Solche Fragen bearbeiten wir in Beratung, Workshops und Fortbildungen.

Nicht mit dem Anspruch, Organisationen möglichst schnell „KI ready“ zu machen.

Sondern mit dem Ziel, gemeinsam herauszufinden, wo Technologie tatsächlich hilfreich ist und wie ihre Nutzung fachlich, verantwortungsvoll und menschenorientiert gestaltet werden kann.

Denn möglicherweise besteht eine der wichtigsten Führungskompetenzen der kommenden Jahre gar nicht darin, möglichst viele KI Tools zu kennen.

Sondern darin, entscheiden zu können,

wann wir sie einsetzen, wofür wir sie einsetzen und wann wir ganz bewusst Menschen entscheiden lassen.


Mehr zu Führung, Zusammenarbeit und Veränderung

Wir beschäftigen uns bei INNSEL regelmäßig mit Fragen rund um Führung, Zusammenarbeit, Organisationsentwicklung, KI und die Veränderungen der Arbeitswelt.

Wer solche Impulse nicht verpassen möchte, kann unsere INNSEL News abonnieren. Dort teilen wir fachliche Beiträge, neue Perspektiven, Veranstaltungen und Fortbildungen, ohne das Postfach ständig zu füllen.

Und wenn Sie diese Fragen nicht nur lesen, sondern gemeinsam mit Ihrem Team bearbeiten möchten, sprechen Sie uns gerne an. Wir entwickeln Workshops und Beratungsformate passend zur jeweiligen Organisation und zu den konkreten Fragestellungen.


Literatur und fachliche Impulse

Gall, A. & Wittenberg, C. (2021): CARE Modell hybrider Führung.

Hasenbein, M. (2023): Mensch und KI in Organisationen.

Huchler, N. et al. (2020): Kriterien für eine menschengerechte Gestaltung der Mensch Maschine Interaktion.

Onnasch, L. et al. (2016): Formen der Mensch Roboter Interaktion.

Schöneberger, S. & Beinke, J. (2023): Hybride Intelligenz als Konvergenz menschlicher und künstlicher Intelligenz – wie verändert ChatGPT die Wissensarbeit?

Seufert, S. & Meier, C. (2024): Hybride Intelligenz und die Zusammenarbeit mit KI Assistenzsystemen.

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